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Historisches

Geschichte der Gemeinde Weil im Schönbuch

Erste Erwähnungen

1188 wurde „Weyl im Schaienbuch“ urkundlich erwähnt, doch bezeugen die ältesten Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit und später, dass es schon lange zuvor Menschen in der Umgebung gegeben hat. Die erste Siedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet haben die Römer wahrscheinlich schon Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. angelegt.
 
Den römischen Abschnitt der Geschichte von Weil im Schönbuch belegen die Ausgrabungen eines römischen Gutshofs mit Wirtschaftsgebäuden und Kultstätte bei der Totenbachmühle und weiter entdeckte Spuren beim Umbau der Martinskirche im Jahre 1904 sowie Grabungen im Gewerbegebiet Lachental.
 
Im 4. Jahrhundert haben sich die Alemannen im ältesten Teil des Dorfes, dem heutigen Maierhof, angesiedelt. In einer Urkunde von 1320 wird von einer „alten Gerichtsstätte unter den Linden von Weil“, der heutigen Dettenhäuser Straße, berichtet.
 
Ein weiterer Beweis, dass Weil schon vor 1188, dem Datum der Urkunde, existierte, ist der außergewöhnliche große Kirchensprengel. Es ist anzunehmen, dass Weil ein frühes Zentrum der Christianisierung war und sehr wahrscheinlich schon um 650 n. Chr. eine Kirche hatte. Die Urkirche St. Martin „zu Wile im Scanbouch“ wurde nach dem Heiligen Martin, einem römischen Offizier und seit 371 Bischof von Tours, benannt.

Zu wem gehörte Weil im Schönbuch?

Pfalzgraf Rudolf I von Tübingen und sein Bruder waren 1188 im Besitz je einer Hälfte des Dorfes Weil und der Hälfte des Patronats der Kirche, die um diese Zeit wegen des fruchtbaren Bodens und des großen Sprengels schon reiche Zehnt-Erträge gebracht haben.
 
Die Herren von Weil waren Edelknechte, Marschälle und Waldvögte in Diensten und Lehen der Tübinger Pfalzgrafen. Als deren Beamte übten sie die Amtsgewalt über das Dorf und den Schönbuch aus. Ihre Höfe waren rings um die gut befestigte Höhenlage des Dorfes mit burgähnlichem Charakter und im Norden mit Doppelmauer, Wehrgang und Wassergraben, in die der Wehrturm samt Kirche und Kirchhof miteinbezogen war, angelegt.
 
Wegen Macht- und Besitzverhältnissen ist es im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts unter dem schwäbischen Adel zu Fehden und Kriegen gekommen. Graf Eberhard der Erlauchte von Württemberg, der sich mit Pfalzgraf Eberhard von Tübingen zerstritten hatte, fiel Anfang September 1286 mit seinen Scharen und Belagerungsmaschinen in den gräflichen Schönbuch ein. Dabei wurde das befestigte Dorf Weil im Schönbuch am 9. September vollständig zerstört. Schon kurz danach, am 12. August 1287, hatte Weil im Schönbuch unter Raub, Brand und Mord erneut schwer zu leiden.
 
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war Weil im Schönbuch zusammen mit Neuweiler und Breitenstein fast vollständig im Besitz des Klosters Bebenhausen mit allen Vor- und Nachteilen eines Klosterortes.
 
Die Klostergrundherrschaft Bebenhausen wurde in der Reformationszeit im Jahre 1535 aufgelöst. Bebenhausen und die Klosterorte wurden württembergisch, haben aber noch bis 1807 das Klosteroberamt Bebenhausen mit Sitz in Lustnau gebildet. Nach dessen Auflösung wurden Weil im Schönbuch, Neuweiler und Breitenstein dem Oberamt Böblingen zugeordnet.

Weil im Schönbuch im Bauernkrieg

Mit den letzten leidvollen Tagen beim Aufstand der abhängigen und leibeigenen Bauern im Bauernkrieg 1524/25 war unser Raum erneut Mittelpunkt bitterer Auseinandersetzungen.
 
In der Nacht vor der entscheidenden Bauernschlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525, hat der Führer des schwäbischen Bundesheeres, Georg Truchseß von Waldburg, genannt Bauernjörg, mit seinen Truppen im Seitenbach- und Totenbachtal in Weil im Schönbuch gelagert. Von hier aus ist er am frühen Morgen mit seinem 6000 Mann zählenden Fußvolk, 1200 Lanzenreitern und 18 größeren Kanonen samt zahlreichen Feldgeschützen nach Böblingen gezogen, um dort die Bauern vernichtend zu schlagen.

Brandkatastrophe und 30-jähriger Krieg

Unvorstellbare Ereignisse sind am 9. April 1559 über die Dorfbewohner hereingebrochen, als während der Feier zum 50-jährigen Bestehen der erweiterten Kirchenanlage der wohnsitzlose Mörder und Brandstifter Enderlin Seitz das Dorf an vier verschiedenen Stellen angezündet hat. Bis auf das einzeln stehende Pfarrhaus fielen an diesem Tage alle Gebäude, insgesamt 111 Hofstellen samt Kirche und Rathaus dem Feuer zum Opfer.
 
 Im 30-jährigen Krieg fielen am 8. September 1634 kaiserliche Reiter plündernd und mordend in Weil im Schönbuch ein und brachten als furchtbareres Übel auch noch die Pest mit. Allein in der zweiten Jahreshälfte 1635 starben am „Schwarzen Tod“ ein Viertel der Dorfbewohner, insgesamt 489 Menschen und bis zum Ende des Krieges 1648 fast jeder dritte Einwohner.

Weil im Schönbuch im 2. Weltkrieg

In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges war Weil im Schönbuch am 21./22. April 1945 der schreckliche Schauplatz von schweren Kämpfen zwischen deutschen und französischen Truppen. Es gab Tote unter der Bevölkerung und den Soldaten. 56 Gebäude wurden zerstört.


Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Der Wiederaufbau des teilweise zerstörten Ortkerns und der Infrastruktur nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 war wie allerorts schwierig und mühsam. 800 Heimatvertriebene mussten aufgenommen und untergebracht werden. Bis zum Jahre 1948 stieg die Einwohnerzahl seit Kriegsende von 2300 auf über 3300 an.
 
In den folgenden Jahren wurden neue Baugelände erschlossen und Gewerbebetriebe angesiedelt.

Gemeindereform

Im Zuge der Gemeindereform wurde die Gemeinde Neuweiler am 1.7.1971 und die Gemeinde Breitenstein am 1.4.1972 in die Gemeinde Weil im Schönbuch eingegliedert, nachdem beide Teilorte über Jahrhunderte hinweg politisch und kirchlich mit dem Mutterort eng verbunden waren.


Moderne Infrastruktur

Mit einer regen Bautätigkeit in allen Ortsteilen und der Erschließung weiterer Bau- und Gewerbegebiete hat sich die Infrastruktur der Gemeinde Weil im Schönbuch weiter entwickelt. Mit den großen öffentlichen Bauprojekten wurde auf geänderte Bedürfnisse der Bevölkerung reagiert.

Gute Beispiele sind die Fertigstellung der „Seniorenwohnanlagen Seegärten“ im Jahre 1994, die Einweihung der Großsporthalle im WeilerSportZentrum am 17.12.2004 und die Inbetriebnahme des Altenpflegeheims „Haus Martinus“ mit 57 Dauerpflegeplätzen im Mai 2006. Damit wurden Herausforderungen gemeistert und ein qualitatives Wachstum der Gemeinde erreicht, mit dem die gesamte Infrastruktur weiter vorangebracht wurde und der Entwicklungsanschluss an den gemeinsamen Markt Böblingen / Stuttgart erhalten bleibt.

Dazu trägt auch die am 28.9.1996 wieder in Betrieb genommene Schönbuchbahn mit einer gesicherten Verkehrsanbindung für beinahe 10.000 tägliche Fahrgäste bei.
 
Weil im Schönbuch hat dennoch seinen dörflichen Charakter bis in die heutige Zeit hinein bewahrt und es immer wieder verstanden, mit schwierigen und ungewöhnlichen Situationen fertig zu werden. Als Pforte zum südlichen Schönbuch, der seit 1972 zum ersten Naturpark des Landes Baden-Württemberg erklärt wurde, liegt Weil im Schönbuch inmitten einer besonderen Naturkulisse und erschließt mit zahlreichen Freizeiteinrichtungen und Wanderwegen vielseitige Möglichkeiten der Erholung in ausgedehnten Wäldern und in einer liebenswerten Landschaft.

 
Heimatbuch

Ausführlich wird die Geschichte der Gemeinde Weil im Schönbuch in dem Heimatbuch beschreiben, welches 1988 zum 800-jährigen Bestehen der Gemeinde herausgegeben wurde. Einzelne, wenige Exemplare sind bei der Gemeindeverwaltung erhältlich.
 
Seit 2013 wurden die Unterlagen im Gemeindearchiv gesichtet, gesichert und über Findbücher zugänglich gemacht. Einzelheiten dazu finden Sie hier.

Das Heimatbuch können Sie hier erwerben
Einzelheiten zum Gemeindearchiv finden Sie hier